Überall hören wir nur „Detox“ oder „Entgiften“. Zwar ist der Sommer so gut wie vorbei, aber der Trend der gesunden Ernährung will kein Ende finden. Innerhalb unseres Nature Nerds Detox Projekts, habe ich mich einem anderen Aspekt der gesunden Lebensweise gewidmet: Nämlich der körperlichen Bewegung, bzw. dem Yoga.

Ich gehöre generell eher zu den langsameren Menschen. Ich fühle mich schnell gestresst, brauche immer mal wieder intensive Ruhephasen und gehöre definitiv NICHT in die Kategorie „multitaskingfähig, stressresistent und belastbar“, die auf dem Arbeitsmarkt eine so wichtige Rolle spielt.

Mal ein kleines Beispiel: Ich fahre gerne langsam Fahrrad. Im Straßenverkehr werde ich dann immer wieder von vorbeirauschenden Rennrädern oder Leuten, die es einfach gerade eilig haben, überholt. Ich fahre mittlerweile immer schön rechts, denn ich will schließlich auch niemanden behindern. Ich glaube, das kommt ganz gut an… und erspart mir auch ständige genervte und nervige Klingelgeräusche. Wenn ich im Stadtverkehr zwischen zwei Ampeln fahre, verpasse ich meistens die grüne Ampelphase an der zweiten Ampel, während alle anderen Radfahrer noch durchkommen. Ich bin einfach zu langsam dafür. Aber zum Glück wird die Ampel ja nicht nur einmal grün.

Natürlich beeinflusst diese Eigenart von mir auch andere Lebensbereiche. Manchmal ist das problematisch. Aber nach ein paar Jahren des inneren Widerstands habe ich mich damit abgefunden. Heute versuche ich, meinem Gemüt entsprechend zu leben und zu arbeiten und bin ein ganzes Stück zufriedener geworden.

Radikalkur vs. Routine

Wenn es um das Thema „Detox“ geht, bin ich deswegen auch keine Fan von Modellen, die schnell und intensiv ausgerichtet sind. Das ist einfach nicht mein Ding. Es ist nicht so, als hätte ich nicht schon mal gefastet oder eine 7-Tage-Saftkur gemacht. Auch ein kompletter Verzicht auf sämtliche Arten von Zucker gehört zu meinen Eigenexperimenten. Jetzt stecke ich aber gerade seit knappen drei Wochen in einem sogenannten „Yoga-Detox“.

Ziel ist es, eine gewisse Regelmäßigkeit im alltäglichen Leben zu entwickeln, bei der man seinen Körper ganz bewusst wahrnimmt und dann dementsprechend mit einem verbesserten Körpergefühl auf seine ganz individuellen Bedürfnisse eingehen zu können. Das kann sich auf die Nahrung beziehen, aber auch auf Dinge wie Schlaf, Rückzug oder soziale Interaktion, Bewegung oder Ruhephasen.

Da wir ja alle einen ziemlich geschäftigen Arbeitsalltag haben und auch sonst in einer bewegten Zeit leben, überhören wir unsere Bedürfnisse ja ganz gerne mal.

Dann versuchen wir mit einer mehrtägigen oder wenn es hoch kommt, mehrwöchigen Phase alles wieder auf Null zu setzen, nehmen nur Flüssiges zu uns oder machen irre viel Sport, laufen jeden Morgen vor dem Frühstück, obwohl wir vorher höchstens einmal im Monat ins Fitnessstudio gegangen sind, essen nur Salate oder Suppe (oder gar nichts) und wundern uns dann, dass es uns dabei eigentlich gar nicht so gut geht.

Versteht mich nicht falsch, natürlich kann eine korrekt geführte Saft- bzw. Heilfastenkur sehr gut für Körper und Geist sein und sich auch danach noch einige Zeit positiv auswirken.

Aber das, was uns heute meistens fehlt, ist eine gesunde Routine. Der Körper gerät in Verwirrung, wenn wir ihn alle Jubeljahre radikal „entgiften“ oder „entschlacken“, um dann wieder in die alten ungesunden Gewohnheiten zurück zu fallen.

Ich war mit dieser Art „Jojo-Effekt“ auch schon konfrontiert und habe dieses Mal einen etwas anderen Ansatz gewählt.

Was genau ist Detox-Yoga?

Wie der Name schon sagt, machst Du bei einem Yoga-Detox Yoga – und zwar regelmäßig und über einen Zeitraum von mindestens 4 Wochen.

Die Übungen bzw. die Asanas wirken dabei besonders auf die Durchblutung, woraus folgt, dass die Funktionstüchtigkeit der an der Entgiftung beteiligten Organe gefördert wird. Viele der Asanas beinhalten Drehhaltungen oder Vorbeugen, die sich zum Beispiel positiv auf die Verdauung auswirken, die Leber anregen oder speziell für die Schilddrüsenfunktion konzipiert wurden.

Auch die Atmung spielt eine zentrale Rolle. Wenn wir einatmen, wird der Sauerstoffgehalt im Blut angeregt, was unsere Leistungsfähigkeit erhöht. Bei der Ausatmung befördert unser Körper Giftstoffe nach außen und entsäuert. Das Ganze passiert natürlich unbewusst. Aber viele von uns haben stressbedingt eine sehr flache Atmung, was den Körper auf lange Zeit sehr belastet.

Wie kann man über die Atmung entgiften?

Um Deinem Körper bei seinem natürlichen Entgiftungsprozess zu helfen, brauchst Du nur bewusst tief ein- und ausatmen. Zum Beispiel gleich morgens nach dem Aufwachen und dann nochmal abends vor dem Einschlafen. Solltest Du Dich besonders angespannt fühlen, kannst Du dieses kleine Experiment auch jederzeit am Arbeitsplatz machen. Es muss noch nicht einmal jemand mitkriegen 😉

Dabei musst Du lediglich auf eine aufrechte Haltung achten, damit in Deinem Bauch und Brustkorb genügend Raum für tiefen Atem entstehen kann.

Die Feueratmung in 10 Schritten

Aus dem Kundalini Yoga – einer in Deutschland häufig gelehrten Yogaform neben dem klassischen Hatha Yoga – gibt es die sogenannte „Feueratmung“. Manche kennen sie vielleicht auch als „Detox-Atmung“, da sie den gesamten Organismus anregt. Besonders am Morgen ist dies eine gute Möglichkeit, um die Ausscheidung der über Nacht entstandenen Giftstoffe zu unterstützen.

  1. Setze Dich in eine angenehme, aufrechte Haltung.
  2. Atme zunächst einmal tief ein und aus.
  3. Nimm einen halbvollen Atemzug in Deinen Bauch und atme anschließend kräftig aus. Dabei wirst Du spüren, wie Deine Bauchdecke sich anspannt.
  4. Dieses stoßartige Atmen führst Du in kurzen Abständen weiter fort. Bei der Ausatmung spannt sich jedesmal natürlicher Weise Deine Bauchdecke an und die Einatmung geschieht von allein.
  5. Beginne mit 20-30 Atemstößen.

  6. Atme zu 3/4 ein und halte diesen Atem für einige Sekunden an.

  7. Beginne wieder mit den Atemstößen und steigere Dich in der zweiten Runde auf 50-60.

  8. Mache erneut eine Atempause.

  9. Beginne mit der dritten Runde und versuche dieses Mal, 80-90 Atemstöße zu machen.

  10. Anschließend lege Dich auf den Rücken und verbleib zehn Minuten im Savasana.

Detox-Yoga, Ernährung und gesunde Lebensführung

Während der gesamten Zeit dieses Yoga-Detox wird einem natürlich dazu geraten, ebenfalls auf eine gesunde Ernährung und einen guten Umgang mit sich selbst zu achten. Einerseits sensibilisiert Dich die tägliche Körperübung zwar dafür, wie Du Dich fühlst und entsprechend kannst Du individuell entscheiden, wie Du Dich ernähren magst oder wann Du schlafen gehst. Aber gerade am Anfang ist es wichtig, sich an ein paar Regeln zu halten.

Viele Yogis verzichten auf Zucker, Alkohol und Nikotin. Auch rotes Fleisch wird gerne weggelassen. Allerdings denke ich, dass jeder selbst entscheiden sollte, ob er das tut. Solange Du darauf achtest, viel Gemüse zu Dir zu nehmen, lieber mal Obst anstelle von Süßigkeiten zu essen und ausreichend Wasser oder Kräutertees trinkst, ist das schon nicht verkehrt.

FAZIT

Persönlich muss ich sagen, dass ich angefangen habe, seltener im Gehen oder Stehen zu essen, sondern mir mehr Zeit nehme, auch mal eine richtige Mahlzeit am Tisch zu genießen. Darüber freut sich mein Körper sicher. Obwohl ich nicht das Ziel hatte, abzunehmen, habe ich zwei, drei Kilos verloren und fühle mich fitter. Auch morgens kann ich dynamischer in den Tag starten, wohingegen ich vorher oft trotz ausreichend Schlaf noch irgendwie lethargisch war. Im Grunde ist das, was ich gerade mache, ein klassisches Achtsamkeitsprogramm mit allen seinen Facetten. Und als langsamer Mensch fühle ich mich ziemlich wohl dabei.

Ich freue mich auf Eure Ideen und Anregungen zu diesem Thema und bin gespannt, ob jemand von Euch schon ähnliche Erfahrungen gemacht hat.