Ich war die Letzte der Nature Nerds, die sich mit einem Verzicht von Gluten für ein Detoxprojekt entschieden hatte. Um ehrlich zu sein, würde ich lieber schreiben: Ich war die, die sich entscheiden musste. Zunächst schien die Auswahl an Entgiftungsprojekten unendlich groß und ich versuchte mich einige Tage mit dem Gedanken anzufreunden, einzelne Ideen davon für einige Wochen durchzuziehen.

Je intensiver ich mich mit den unendlichen Möglichkeiten auseinandersetzte, desto kleiner wurde die Auswahl.

Wie ziehe ich eine ganz ursprüngliche Paleo-Diät durch, wenn ich eigentlich vegetarisch lebe? Was bringt ein Milchverzicht wirklich, wenn in meinem Kühlschrank außer einem Stück Gouda, Feta und Mozzarella kaum Milchprodukte zu finden sind? Sollte ich ein paar Wochen auf Sojamilch verzichten, weil ich Kuhmilch eh schon meide? Wie schräg wäre das denn?

Ich fühlte mich gar nicht wohl bei dem Gedanken, den Sinn des „Ballastabwerfens“ nicht als solchen zu spüren.

Detox = Verzicht?

Während ich diese Zeilen schreibe, denke ich an die Zeit zurück, als ich mich dazu entschied, kein Fleisch mehr zu essen. Schon seit ich denken kann langen die emotionalen Gründe für einen Verzicht zwar für mich deutlich sichtbar auf der Hand, aber ich konnte es nicht durchziehen – auch und gerade weil meine Familie in alter Gewohnheit selbstverständlich beinahe täglich Fleisch aß. Rückblickend weiß ich, dass ich auch nicht tat, weil es sich damals für mich immer wie ein Verzicht angefühlt hätte.

Erst als ich mich für das fleischfreie Essen entscheiden konnte, fiel es mir plötzlich ganz leicht und ich hatte ein gutes Gefühl dabei.

Für mein Detoxprojekt versuchte ich mich also an einem Perspektivenwechsel mit Blick auf die Fakten und mein Bauchgefühl. Warum würde es mir gut tun, auf etwas zu verzichten? Was würde es wohl mit mir machen, wenn ich noch viel bewusster auf das schaute, was ich meinem Körper täglich Gutes/Schlechtes tue?

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Ich entschied mich am Ende für einen Gluten-Detox, den ich so auf mich abstimmte, dass es sich gut anfühlte.

Was ist Gluten?

Gluten wird umgangssprachlich auch als „Kleber“ bezeichnet und ist ein Eiweißbestandteil von Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Dinkel, Grünkern, Couscous und einigen anderen Getreidearten vorhanden. Deshalb findet man Bestandteile von Gluten auch in unseren alltäglichen Lebensmitteln wie Mehl, Müsli, Nudeln und auch in Getränken wie Bier. Gar nicht so einfach darauf zu verzichten, wenn jeder Keks und jede Salzstange Gluten enthält.
So kam es, dass ich täglich groß(artig)e Salate zubereitete und viel mehr Wert auf den Geschmack, als auf das schlichte „satt werden“ legte.

Beim Lesen anderer Erfahrungsberichte kam immer wieder der Tipp auf, besonders viel Wasser zu trinken, weshalb ich die glutenfreie Ernährung kurzerhand mit einer Wasserwoche einleitete, in der ich statt Kaffee und Saft schon morgens nach dem Aufstehen ein großes Glas Wasser und auch tagsüber nur Sprudel- oder Leitungswasser trank.

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Das war anfangs ganz schön gewöhnungsbedürftig, doch schneller als gedacht wurde es zu einer echten Gewohnheit.

Etwas umständlicher war der Glutenverzicht für mich – so fiel mir vor allem der Verzicht von leckerem Brot schwer. Im Supermarkt fiel mein kritischer Blick auf die Inhaltsangaben und überrascht stellte ich fest, dass es sogar in den großen Discountern inzwischen glutenfreie Nudeln gibt.

Nach der ersten Woche bemerkte ich, dass eine glutenfreie Ernährung längst nicht so schwer war, wie ich sie mir vorgestellt hatte – vielleicht gerade deshalb, weil ich nicht krampfhaft versuchte, jeden Hauch von Gluten in meinem Essen zu entlarven.

Mal aß ich nach bestem Wissen und Gewissen glutenfrei, nur um anschließend zu bemerken, dass ich womöglich doch nicht 100% „clean“ gegessen hatte.

Was hat sich verändert?

Manchmal passierte es mir, dass ich meine guten Vorsätze vergaß und am Ende des Tages zufrieden feststellte, dass ich gar nicht gesündigt hatte. Ich spürte in meinen Körper hinein und wurde achtsamer mit meinem Essen. Plötzlich bemerkte ich, wenn ich nach weniger gesundem Essen unreine Haut bekam, welche Lebensmittel mich wirklich rundum „satt“ machten, statt nur meinen Appetit zu stillen und ich kaufte viel bewusster ein.

Vor allem Weizenmehl meide ich unbewusst weiterhin, beim Bäcker frage ich stets nach Roggenbrot und auch das Aussehen der Sonntagsbrötchen ist weit „gesünder“, wenn auch teurer geworden.

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Das Fazit meiner Detoxerfahrung ist vor allem das bewusste Genießen. Und ehrlicherweise kann ich hier beichten: Ja, ich habe auch „gesündigt“ während meiner Detox-Zeit, wenn ich es aus der Verzichtsperspektive betrachten muss.

Aber ich schaue es mir als bewusste Genießerin an und sage voller Überzeugung: Ich habe es sehr genossen. 

Rückblickend bin ich mir sicher, dass so viele Diäten langfristig keinen Erfolg haben, weil die Menschen das Gefühl haben, sie täten etwas gegen ihr Wohlbefinden, statt für sich. Auch die Süßigkeiten habe ich mir wie Jojo und Jezz seit ein paar Wochen nicht mehr in den Einkaufswagen gelegt.

Ich habe gemerkt, dass ich viel Appetit auf Süßigkeiten habe, wenn ich eh schon viele Süßigkeiten esse. Wir sind und bleiben eben Gewohnheitstiere und unser Körper möchte gerade von Lebensmitteln mit „Suchtfaktor“-Inhaltsstoffen wie Industriezucker immer noch mehr haben, wenn wir einmal regelmäßig davon genascht haben.

Gluten-Unverträglichkeit – ein Mythos?

Rein zur glutenfreien Ernährung kann ich nichts außergewöhnlich Gutes oder Schlechtes berichten.

Meine Verdauung hat sich dadurch nicht verändert, mein Sättigungsgefühl hielt trotz Brotverzicht lange an und ich hatte kaum Heißhungerphasen auf ungesundes Zeug wie Kekse oder andere Süßigkeiten. Ich habe viel Obst gegessen, mir bunte Salate gemacht und mich täglich an grünen und roten Smoothies aus dem Mixer erfreut.

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Das große Glas Wasser trinke ich übrigens nach wie vor jeden Morgen und jeden Abend. Ich bin sogar schon extra noch mal dafür aufgestanden – einfach, weil es mir ein gutes Gefühl in meinem Körper gibt.

Hast du auch schon Erfahrungen mit einer Detox-Kur gemacht?

Fiel es dir schwer, oder hast du, so wie ich, dabei ganz viel über dich selbst und deinen Körper herausgefunden? Ich freue mich auf dein Feedback in den Kommentaren. 🙂