Bikram bzw. Hot Yoga: Der schweißtreibende Yogastil ist genauso gehyped wie umstritten.

Nachdem ich Euch vor ein paar Wochen von meinen Erfahrungen mit dem „Sanften Yoga-Detox“ berichtet habe, will ich heute über das krasse Gegenteil in der Yogawelt schreiben: Der 30 Tage Yoga Challenge. Auch hier handelt es sich – wie bei all unseren Nature Nerd Detox-Erfahrungen um ein Selbstexperiment und einen persönlichen Erfahrungsbericht. Wir sind schließlich keine Ärzte oder Yogalehrer, sondern nur ein Haufen Nerds 😉

 

Was ist Hot Yoga?

Im Grunde genommen ist Hot Yoga genau das, was Du Dir unter dem Begriff vorstellst. Du machst Yoga und es ist heiß. Genauer gesagt beträgt die Raumtemperatur 40°C und Du machst 26 Asanas in 90 Minuten  – und zwar jede Übung zweimal. Die zweite Runde ist meistens von solch einem enormen inneren Widerstand begleitet, dass Du am Liebsten in Dein Handtuch beißen willst und Dich fragst, was zur wortwörtlichen Hölle Du da eigentlich treibst.

Aber eines kann ich Dir schon mal sagen: Es lohnt sich. Zumindest in Sachen Selbstdisziplin. Wenn Du ein paar Wochen lang regelmäßig zum Hot Yoga gehst und quasi 26 Mal pro Unterrichtsstunde Deinen inneren Schweinehund bezwingst, gelingt Dir das auch im Alltag viel, viel besser!

 

Bikram Yoga vs. Hot Yoga

„Bikram“ Yoga ist eigentlich nur die patentierte Form des Hot Yogas, bei dem die Übungen nach der oben genannten 40/90/26-Regel immer genau gleich ausgeführt werden. Ein schlauer Fuchs namens Bikram Choudhury – der eine ziemlich umstrittene Person in der Yogawelt ist – hat beschlossen, dass nur bei ihm Bikram-Lehrer ausgebildet werden können und dass in allen Bikram-Schulen weltweit haargenau die gleiche Yoga-Stunde stattfinden soll. Qualitätssicherung sozusagen. Allerdings sollte man dazu auch wissen, dass so eine Bikram-Yogalehrerausbildung für 4 Wochen schlappe 10.000 € kostet…

Mein Fazit zu dieser kontroversen Thematik ist, dass ein gutes Hot Yoga Studio genauso so „gut“ ist, wie ein Bikram-Studio. Solange die Lehrer gut ausgebildet sind und Du in den Stunden immer auch auf Deinen eigenen Körper hörst, kannst Du nicht viel verkehrt machen.

 

Die 30 Tage Yoga Challenge

Alle Bikram Studios bieten immer wieder die 30 Tage Challenge an, bei der Du einen Monat lang jeden Tag zum Yoga kommst. Das Ganze ist für die Gesundheit zwar angeblich nicht ungefährlich, aber viele berichten, dass es sie und ihren Körper grundlegend verändert hat.

Wie ich schon erwähnte, bin ich im Grunde genommen kein Fan von zu intensiven Aktionen oder „Challenges“ in Sachen Entgiftung. Für meine persönlichen Bedürfnisse ist es besser, wenn ich die Dinge langsam angehen lasse, aber dafür auch mittel- oder langfristig bei der Sache bleibe.

Doch vor ca. zwei Jahren war ich ein eingefleischter Hot-Yogi. Bei der Arbeit war viel Stress und ich habe versucht, diesen mit Bewegung zu kompensieren. Der nette Nebeneffekt war, dass ich vor allem an Willensstärke gewonnen habe.

Wie kommt das?

Du musst Dir vorstellen, dass Du mit ca. 15-20 anderen Leuten halb nackt vor einer großen Spiegelwand stehst und Dich dabei nur auf Dich selbst konzentrieren sollst. Der Raum ist schon auf 40°C aufgeheizt, bevor es losgeht und auch noch hell erleuchtet. Kurz gesagt, es ist alles total unentspannt!

Wie die meisten anderen Neulinge auch fand ich es nicht so super, da quasi im Bikini zu stehen. Und die meisten anderen Semi-Nackten wollte ich eigentlich auch nicht unbedingt direkt vor meiner Nase haben. Man guckt, man bewertet, man verurteilt. Nicht so schön…

Dann kommt der Lehrer und fängt sofort an zu sprechen. Ich weiß noch, wie ich zu meinem Entsetzen feststellte, dass er die vollen 90 Minuten auch nicht wieder mit dem Reden aufhört. Es war so was von nervtötend. Einatmen, ausatmen, stretchen, noch mehr stretchen, halten und – noch mal!

Der Schweiß strömt Dir schon bei der ersten Atemübung augenblicklich aus allen Poren. Spätestens nach den ersten paar Asanas denkst Du Dir, dass die ganze Sache ein Riesenfehler war. Noch dazu hat der Lehrer Dich generell genau im Blick, denn vor der Stunde müssen sich alle Neuen melden.

Es gibt dann grundsätzlich noch den „heißen“ Tipp, dass man den Raum auf gar keinen Fall verlassen soll, damit es beim nächsten Mal schon einfacher wird. Selbst wenn man also denkt, der Kollaps stünde unmittelbar bevor, muss man sich am Riemen reißen und auf seiner Matte verharren. Das Ziel in der allerersten Stunde ist es eben, die Hitze, die penetrante Stimme des Lehrers und die Erniedrigung zu ertragen – würde ich mal so pauschal sagen.

 

Die Wirkung von Hot Yoga

Auch wenn natürlich mal wieder nichts bewiesen ist, sagt man dem Hot Yoga eine extrem „reinigende Wirkung“ nach. Kein Wunder, denn man ist ja auch echt klitschnass geschwitzt nach so einer Unterrichtseinheit. Für die Klamotten muss man unbedingt ne Plastiktüte mitnehmen und das Zeug zu Hause direkt durchwaschen, sonst wird es hässlich…

Doch nicht nur die Hitze, sondern auch die Asanas selbst, die von vielen Drehungen und Kompressionen geprägt sind, sollen den Körper entgiften. Außerdem wird man viel flexibler, da man ständig an seine Grenzen geht, was die Dehnung betrifft. Viele Hot-Yogis sagen, dass sie einen viel festeren Griff hätten – denn man muss ständig trotz rutschiger, schwitziger Haut zum Beispiel seinen Fuß greifen und festhalten oder seine Hände fest ineinander-/ bzw. aufeinanderpressen.

WICHTIG: Jeder wird Dir sagen, dass Du genug trinken musst, um den Elektrolythaushalt wieder auszugleichen. Viele essen auch immer noch etwas nach so einer Stunde. Glukose zum Beispiel, zur schnellen Energiegewinnung.

Mein Fazit

Generell war ich während meiner Hot-Yoga-Zeit und insbesondere während und nach der Yoga Challenge ein ziemlich ausgeglichener Mensch. Ob es mich „entgiftet“ hat, kann ich natürlich nicht so richtig sagen. Auch muss ich zugeben, dass es mir manchmal nach den Klassen nicht so gut ging und mein Körper mit dem Flüssigkeitsverlust kämpfte, bzw. einfach überanstrengt zu sein schien.

Mein eigentliches Ziel war damals vor allen Dingen die körperliche Fitness, doch tatsächlich habe ich die mentalen Auswirkungen viel mehr gespürt. So viel Disziplin, wie damals kann ich heute nicht immer aufbringen und ich würde sagen, das Hot-Yoga eine der besten Möglichkeiten ist, um dann im Alltag eher mal über seinen Schatten springen zu können.

Wie gesagt, ich lasse es heute eher langsam angehen und mache die gleichen Yogaübungen ohne die Hitze, aber ich kann absolut jeden verstehen, der sich dieser zusätzlichen Herausforderung stellen will und es durchzieht 😉