Wann warst du das letzte Mal in der Natur unterwegs und dachtest dir “bis zur Weggabelung oder bis zur nächsten Bergspitze ist es doch nicht weit”? Nach einem unerwartet langen Fußweg wurdest du dann eines besseren belehrt …

Glaube mir, ich kenne das Problem nur zu gut. Allzu oft bin ich optimistisch losgelaufen und habe Entfernungen komplett unterschätzt. Dabei ist es mit dieser kleinen Faustregel so einfach, auch ohne Karte, GPS und Wegweiser die Entfernung grob zu schätzen.

Für echte Nature Nerds funktioniert das Ganze mit einem kleinen Trick, der sich Daumensprung nennt.

So schätzt du Entfernungen mit dem Daumensprung

Die Technik des Daumensprungs basiert darauf, dass sich eine kurz vor unseren Augen verlaufende Distanz in der Horizontale deutlich leichter schätzen lässt, als eine Distanz, die weit vor uns in der Ferne liegt. Um dieses Verhältnis herzustellen, nehmen wir den Daumen zu Hilfe.

Der Trick funktioniert kinderleicht:

  1. mache einen Faustballen mit einem ausgestreckten Daumen (oder nimm einen Bleistift bzw. einen kleinen Stock)
  2. schließe ein Auge und halte den Daumen am ausgestreckten Arm vor deinen Zielort
  3. schließe jetzt das andere Auge, wodurch der Daumen seine Position wechselt
  4. schätze die Distanz in der Entfernung zwischen den “springenden Daumen” (nutze Vergleichsgrößen wie eine Autolänge, eine Hausbreite oder ein Fußballfeld)
  5. multipliziere die geschätzte Distanz mit dem Faktor 10 und du erhältst die Entfernung zu deinem Zielort

Ein Beispiel gefällig?

Nehmen wir an, du willst wissen, wie weit es bis zum Kirchturm am Horizont ist. Der Daumen zeigt darauf, und wenn du das andere Auge schließt, dann zeigt dein Daumen auf einen Baum neben der Kirche. Die geschätzte Entfernung zwischen den beiden Objekten beträgt 100 Meter in der Horizontale, also kannst du davon ausgehen, dass der Kirchturm ungefähr einen Kilometer von dir entfernt ist.

Wie funktioniert der Daumensprung in der Theorie?

Nerds unter uns, aufgepasst. Jetzt wird es mathematisch. Der Daumensprung ist die Anwendung des Strahlensatzes, indem der eigene Körper als Maß für einen Winkel genutzt wird. Äh, wie bitte?

Okay, noch einmal langsam und leicht verständlich. Der ausgestreckte Arm eines Erwachsenen hat eine Länge von 60 – 70 cm. Der Abstand zwischen den Augen beträgt ca. 6 – 7 cm. Daher stammt das Verhältnis von 1 zu 10. Der Arm mit dem Daumen am Ende wird gewissermaßen als Winkelachse genutzt.

Wenn du besonders lange Arme und eng zusammenstehende Augen hast, verschiebt sich dieses Verhältnis natürlich. Am besten du bestimmst den Faktor einmal individuell für dich. Wenn deine Armlänge beispielsweise 75 cm und dein Augenabstand nur 6 cm beträgt, dann verwendest du für den Daumensprung einen Multiplikator von 12,5.

Natürlich ist der Daumensprung nur eine Faustregel zum Schätzen der Entfernung, funktioniert aber für die meisten von uns besser als das “gute Augenmaß”.

Und jetzt sei ehrlich, du hast es doch sofort ausprobiert, oder?