“Warum muss ich das denn alles im Kopf rechnen?”, habe ich meinen Mathelehrer in der Grundschule immer gefragt. Schließlich gibt es doch Taschenrechner und Computer, die das für mich machen können.

Warum willst du dich im Gelände orientieren können, wenn doch heutzutage jedes Smartphone über GPS und Kompass verfügt, könnte ich dich jetzt fragen. Wahrscheinlich willst du entweder deine Freunde beeindrucken, einen Orientierungswettbewerb gewinne, bereitest dich auf den Notfall vor oder bist einfach ein Nature Nerd wie wir.

Mal ganz ehrlich, es ist doch cool, nicht immer von der Technik abhängig zu sein. Wie viele Menschen gibt es denn noch, die die Himmelsrichtung ohne Kompass bestimmen können und sich auch ohne Google Maps in der Natur zurechtfinden?

Dabei ist es superleicht. Lass mich dir erklären, wie die Orientierung im Gelände auch ohne Smartphone, Kompass und Karte funktioniert.

 

Wo ist eigentlich Norden?

Im Osten geht die Sonne auf, dann wandert sie im Tagesverlauf über den Süden, bevor sie im Westen am Horizont versinkt. Norden ist also dort, wo wir die Sonne niemals sehen.

Wenn du nicht genau weißt, wie spät es ist (wie auch ohne Handy?), dann stecke einfach einen halbwegs geraden Stock oder einen Stift in den Boden. Der Schatten verrät dir sofort, wo die Sonne steht.

Tagsüber mag das gut funktionieren, aber was ist nachts? Zumindest außerhalb von lichtverschmutzten Städten hilft dir der Sternenhimmel. Du musst nur den Polarstern finden und weißt dann ziemlich genau, wo Norden ist.

Den Polarstern entdeckst du, indem du den großen Wagen (oder großer Bär) am Himmel suchst und die beiden Sterne auf der Rückseite, also die Gerade gegenüber der Seite mit dem Griff, fünfmal nach oben hin verlängerst. Du solltest jetzt einen hellen Punkt am Himmel sehen, der außerdem der äußerste Stern des kleinen Wagens ist.

 

Norden finden mithilfe der Vegetation

Es mag nicht die zuverlässigste Methode zur Orientierung im Gelände zu sein, dennoch können Moos, Bäume und Blätter einen guten Anhaltspunkt auf die Himmelsrichtung geben.

Moos beispielsweise wächst immer dort, wo es feucht und schattig ist. Da die Sonne nie im Norden ist, finden wir Moos vor allem auf der Nordseite von Hauswänden, Felsen oder Baumstämmen.

Viele Pflanzen und Blätter an Bäumen richten sich an der Sonne. Sie strecken sich nach Süden aus, wodurch du im Umkehrschluss herausfindest, wo Norden ist.

 

Himmelsrichtung mit der Uhr bestimmen

Ein uralter aber richtig genialer Trick zur Orientierung funktioniert mit jeder analogen Armbanduhr. Richte den Stundenzeiger deiner Rolex einfach in Richtung Sonne. Norden befindet sich zur Winterzeit genau auf der Hälfte zwischen dem Stundenzeiger und 12 Uhr in Richtung Uhrzeigersinn (zur Sommerzeit 1 Uhr).

Ein Beispiel gefällig? Nehmen wir an es ist Winterzeit, dein Stundenzeiger ist an der Sonne ausgerichtet und zeigt auf 3 Uhr. Jetzt schlägst du im Kopf den Kreis bis zur 12 und bildest genau die Hälfte (Winkelhalbierende). In unserem Beispiel wäre Norden genau dort, wo deine Uhr 7.30 anzeigt.

Diese Methode funktioniert übrigens auch mit dem Mond. Glaubst du nicht? Dann schau mal in diese Anleitung rein.

 

Ganz einfach selbst einen Kompass selber bauen

Okay, jetzt wird es richtig abenteuerlich. Um selbst einen Kompass zu bauen, brauchst du lediglich eine Nadel, eine Büroklammer oder einen Nagel. Diese magnetisierst du, indem du mit einem Magneten oder Messer daran entlangfährst oder mit einem Hammer ein paar Mal kräftig darauf schlägst.

Das magnetisierte Stück Metall legst du dann in ein Behältnis mit Wasser oder anderer  Flüssigkeit. Hilfreich kann es dabei sein, ein kleines Stück Papier oder ein Blatt darunter zu legen. Eines der Enden der Nadel zeigt dann nach Norden. Welches Ende das ist, musst du allerdings selbst herausfinden. Um auf Nummer sicher zu gehen, stecke die Nadel in einen Korken und lasse nur ein Ende herausgucken.

Für bebilderte Anleitungen zu einigen der vorgestellten Methoden schau mal in diesen Beitrag von Wikihow rein.

 

Extra-Tipp für Großstadt-Nerds: wusstest du das die Satellitenschüsseln in der nördlichen Hemisphäre immer nach Süden ausgerichtet sind? Du musst also nicht mal in den Himmel schauen, um dich im Großstadtdschungel zu orientieren.

Jetzt weißt du, wo Norden ist, hast aber immer noch keinen Plan, wo du eigentlich bist. Dafür brauchst du die gute alte Karte und bedienst dich einem Verfahren, das sich Dreieckspeilung nennt. Wie genau das funktioniert, kannst du in dieser Anleitung nachlesen.